Kurz-Info zur Geschichte
Die 1949 gegründete Deutsche Auslandsgesellschaft hatte in den 50er Jahren Arbeitskreise für einzelne Länder und machte es sich zur Aufgabe, sowohl im Ausland Interesse für Nachkriegsdeutschland als auch in Deutschland eine neue Art von Interesse für das Ausland zu wecken. Ein wichtiges Informationsorgan war von 1949 bis 1994 die Zeitschrift Ausblick, in der u. a. Reiseberichte und Literaturbesprechungen veröffentlicht wurden.
Kulturschaffende aus den verschiedensten europäischen Ländern wurden nach Lübeck eingeladen und fanden hier ein interessiertes Publikum. Es wurden Vorträge, Autorenlesungen uvm. organisiert. Ausländische Studenten-Gruppen wurden nach Deutschland eingeladen und betreut. Aktiv war und ist die Deutsche Auslandsgesellschaft in der Schüleraustausch-Vermittlung mit den Ländern Nord- und Nordosteuropas. Die Formen der Aktivitäten variierten im Laufe der Zeit, immer stand aber die Vermittlung von persönlichen und kulturellen Kontakten im Vordergrund.
Die 60-er Jahre markierten den Beginn der heutigen Hauptaufgabe: Organisation und Durchführung von Fortbildung in Lübeck (und später auch an anderen Orten) für ausländische Deutschlehrkräfte (bis Ende der 80er Jahre nur aus den Ländern Skandinaviens, seit Anfang der 90er Jahre auch aus den baltischen Ländern, seit 2000 aus Polen, seit 2001 aus Russland, ab 2009 aus Weißrussland). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden und werden überwiegend in Privatquartieren untergebracht.
Unter dem Dach der Deutschen Auslandsgesellschaft brachte die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Norden – Deutschland in den 60er Jahren Germanisten, Nordisten und Historiker aus dem Norden und Deutschland zusammen (Publikation: Nerthus). Zum 20-jährigen Bestehen gratulierte im Herbst 1969 neben vielen anderen auch Bundespräsident Gustav Heinemann.
Im Oktober 1975 kam es zum Wechsel in der Position des Geschäftsführers / Direktors: Auf Heinrich Jessen (1909-1983) folgte sein Sohn Dr. Karsten Jessen (1944-1998). In den folgenden Jahren legte er einen neuen, zusätzlichen Schwerpunkt auf Kontaktvermittlung zwischen deutschen Autorinnen und Autoren und skandinavischen Übersetzerinnen und Übersetzern. Seit 1999 wird die Deutsche Auslandsgesellschaft von Martin Herold geleitet.
In den 80-er Jahren war u. a. der Deutsch-Französische Arbeitskreis in der Deutschen Auslandsgesellschaft unter der Leitung von Jürgen Zschiesche sehr aktiv. Die Fortbildung von Deutschlehrkräften rückte ins Zentrum und wird seit den 80-er Jahren in Umfang und Länder-Reichweite beständig erweitert (siehe andere Stellen dieses Internet-Auftritts). 1999 wurde das 50-jährige Bestehen mit einem Festakt im Audienzsaal des Rathauses der Hansestadt Lübeck begangen.
Seit 2008 besteht mit dem Mini-Referendariat (siehe eigenständige Rubrik) für Nord- und Nordosteuropa neben der Fortbildung für aktive Deutschlehrkräfte eine Mischung aus Aus- und Fortbildungsangebot für Lehramtsanwärter/innen der Germanistik aus Nord- und Nordosteuropa.
Mit dem Jahreswechsel 2009/10 ist die Deutsche Auslandsgesellschaft innerhalb der Lübecker Altstadtinsel von der Holstenstraße 17 an den Koberg 2 und damit ins Hoghehus umgezogen. Nach fast 30 Jahren in einem wenig repräsentativen Büro verfügt die Deutsche Auslandsgesellschaft nunmehr über angemessene Büro-Räumlichkeiten in historischem Ambiente.
Über die Deutsche Auslandsgesellschaft (geschrieben vor mehr als 60 Jahren)
Aus dem Geleitwort des ersten Vorsitzenden der Deutschen Auslandsgesellschaft Senator i.R. Dr. Georg Kalkbrenner in der ersten Ausgabe der Zeitschrift Ausblick vom Dezember 1949:
Eines der traurigen Ergebnisse der Hitlerherrschaft war die Isolierung des deutschen Volkes auf fast allen Gebieten des menschlichen Daseins. Es ist eine lebenswichtige Aufgabe, diese Isolierung zu beseitigen. In neuerer Zeit mehren sich die Anzeichen, daß im Auslande die Neigung wächst, uns bei der Lösung dieser Aufgabe entgegenzukommen. Es gilt, solche Anzeichen richtig zu werten und daraus die Folgerungen zu ziehen. Diese Erwägung hat zur Gründung der Deutschen Auslandsgesellschaft geführt.
Der Name mag zunächst sehr weitgehend und zu allgemein erscheinen, aber bei näherer Betrachtung wird sich seine Wahl als gerechtfertigt erweisen. Die Gesellschaft soll zunächst einmal ein Zeichen der Bereitschaft und des Willens zur zwischenstaatlichen Verständigung von deutscher Seite aus sein. Es sollen aus deutscher Initiative (...) Arbeiten in Angriff genommen werden, die als Teilleistungen in dem weiten Gebiet der neu zu knüpfenden Auslandsbeziehungen gelten mögen. (...) Gerade in Lübeck weiß man aus jahrhundertealter Geschichte und jahrzehntelanger Arbeit den großen Wert und den gegenseitigen Nutzen zu würdigen, der in guten Beziehungen zum Auslande besteht. (...)
Man wird heute wie früher die festesten Bindungen in den Beziehungen von Mensch zu Mensch suchen müssen (...). Über persönliche Sympathie und gemeinsames sachliches Interesse führt der sicherste Weg zum Verstehen. (...) Aus dem nordwestdeutschen Raum gewachsen, wird sich das Hauptinteresse, und damit der Schwerpunkt der Arbeit der Gesellschaft, auf einige Länder stärker legen als auf andere. (...) Auf der alten Zweiseitigkeit baut sich die neue Vielseitigkeit der Beziehungen im Geiste internationaler Verständigung von selbst auf.
(...) Mit den steigenden wirtschaftlichen Beziehungen wächst erfahrungsgemäß das Interesse am Partner auch in seinen geistigen Leistungen. Beide Seiten sind für das Verstehen notwendig und bedingen sich gegenseitig, keine von beiden darf man von vornherein an die erste Stelle setzen, (...). Die aktive Wirtschaftspolitik (...) obliegt indessen dem Kaufmann, dem Politiker, der Regierung, aber die Vorbereitung liegt oft im Geistig-kulturellen, und die Vertiefung und Erweiterung wirtschaftlicher Beziehungen ist nicht zuletzt vom Verstehen und der wachsenden Sympathie abhängig.
Wir wollen Menschen mit Interesse für die einzelnen Länder sammeln, damit sie voneinander wissen und die Gäste aus dem Auslande aufnehmen können, wie es jedem Lande gemäß ist. (...) Möge die neue Gesellschaft mit ihrer Arbeit dazu beitragen können, dass unser Volk im Auslande das Vertrauen wieder gewinnt, das für seine Zukunft schlechthin entscheidend ist.
Stand: März 2010
